Details

Steuerfachangestellte: eine abwechslungsreiche, digitale und krisensichere Ausbildung

Seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft bereits auf Trab. Wer hätte gedacht, dass dieses Virus die Bürger*innen so lange in Atem hält? Das geht auch an den Ausbildungsberufen nicht spurlos vorbei, wie die aktuellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt (Destatis) zeigen: Die Ausbildungszahlen gingen im Jahr 2020 bundesweit um 9,4 Prozent zurück. „Wer im Herbst 2021 eine Ausbildung beginnen möchte, fragt sich nun: Welcher Beruf ist krisensicher? Werden überhaupt Ausbildungsplätze angeboten? Die Antwort lautet: Ja. Denn nicht alle Branchen sind gleichermaßen betroffen: Steuerfachangestellte werden gerade in der Krise händeringend gesucht“, so die Steuerberaterkammer Thüringen. Trotz Corona-Pandemie und entgegen des Bundestrends verzeichnete diese Ausbildung im Vergleich zum Vorjahr nur einen kleinen Rückgang von 2,3 Prozent.

Ein krisenfester Beruf mit Zukunft
Steuerberater*innen lotsen die deutsche Wirtschaft aktuell durch die Corona-Pandemie: Die staatlichen Soforthilfemaßnahmen der Bundes- und Landesregierung für Unternehmen und Solo-Selbstständige müssen beantragt, Unterlagen für die Beantragung von Krediten zusammengestellt oder Kurzarbeitergeld berechnet werden. Dies zeigt deutlich, dass die Berufe der Steuerberater*innen und auch der Steuerfachangestellten sehr wichtig und verantwortungsvoll sind. Die Branche ist nicht nur krisen-, sondern auch zukunftssicher. Die Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über die voraussichtliche Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes bis zum Jahr 2035 untermauert dies. Die Prognose: Trotz zunehmender Digitalisierung wächst der steuerberatende Beruf aller Wahrscheinlichkeit nach von 242.900 Arbeitskräften im Jahr 2015 auf ca. 273.000 im Jahr 2035.

Vielfältig und digital
Steuerfachangestellte unterstützen Steuerberater*innen u. a. bei der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung von Mandant*innen. Sie stehen in Kontakt mit Finanzämtern oder Sozialversicherungsträgern, berechnen Gehälter, planen und überwachen Termine und Fristen. Sie stehen im engen Kontakt mit der Mandantschaft, verarbeiten deren Rechnungen, Belege und Kontoauszüge zu einer ordnungsgemäßen Buchführung, bearbeiten Steuererklärungen und überprüfen Steuerbescheide.

Mithilfe neuester EDV- und Kommunikationstechnik verbuchen Steuerfachangestellte beispielsweise Rechnungen und Kontoauszüge elektronisch, führen Konten, erstellen Abschlüsse und archivieren in der elektronischen Akte. Staubige Aktenordner gibt es schon lange nicht mehr. Außerdem erhalten Steuerfachangestellte einen tiefen Einblick in viele unterschiedliche Unternehmen und in wirtschaftliche Zusammenhänge durch den Kontakt mit Mandant*innen aus Industrie, Handel, Handwerk, dem Dienstleistungsbereich sowie Freiberufler*innen und Privatpersonen.

Regelausbildung, Teilzeit oder Verkürzung

Die Ausbildung zum*r Steuerfachangestellten dauert im Regelfall drei Jahre. In dieser Zeit arbeiten die Auszubildenden ab dem ersten Tag in einer Steuerberaterkanzlei. Parallel gehen sie in eine Berufsschule, wo sie das nötige theoretische Wissen erlernen.

Die Ausbildungsschwerpunkte sind: Steuer- und Rechnungswesen, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht. Bundesweit liegt die Ausbildungsvergütung durchschnittlich bei monatlich 800 Euro im ersten Ausbildungsjahr und steigert sich auf mehr als rund 950 Euro. Auszubildende mit sehr guten Leistungen oder entsprechendem Vorwissen haben die Möglichkeit, die Ausbildungszeit auf 2,5 oder sogar auf 2 Jahre zu verkürzen. Eine Teilzeitausbildung für junge Eltern ist auch denkbar. Das ist eine gute Möglichkeit, schnell in das Berufsleben einzusteigen.

Fortbildung, Fortbildung, Fortbildung

Nach erfolgreicher Ausbildung gibt es verschiedene Perspektiven zur weiteren Qualifizierung. Absolventen können später sogar Steuerberater*in werden – und dass ohne ein Studium. Kein anderer Ausbildungsberuf bietet diese besondere Möglichkeit des beruflichen Aufstiegs ohne Hochschulstudium.

Steuerfachangestellte können natürlich auch einen anderen Weg einschlagen und unter verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten im Mitarbeiterbereich wählen. Eine interessante Karrieremöglichkeit ist die Fortbildung zum*r Steuerfachwirt*in. Fachassistent*in Lohn und Gehalt ist ein Berufstitel im Bereich des Lohnwesens, den Steuerfachangestellte bereits seit 2015 über die Steuerberaterkammern erlangen können. Die Tätigkeitsschwerpunkte liegen hierbei im Steuerrecht insbesondere bei Lohnsteuerverfahren sowie im Sozialversicherungsbeitrags- und Arbeitsrecht. Zudem ist 2019 die Fortbildung zum*r Fachassistent*in Rechnungswesen und Controlling gestartet. Mitarbeiter*innen mit Interesse an Buchführung, Bilanzierung, betriebswirtschaftlicher Auswertung und der Erstellung von Jahresabschlüssen finden hier ein exzellentes Tätigkeitsfeld. Erstmalig startete im Frühjahr 2021 die Fortbildung zum*r Fachassistent*in Land- und Forstwirtschaft, um Mandantenunternehmen aus diesem Wirtschaftsbereich gezielter beraten zu können. Ab 2022 erweitert sich der Kreis der Fortbildungen um den*die Fachassistent*in Digitalisierung und IT-Prozesse. Diese Mitarbeiter*innen betreuen künftig die digitalen Schnittstellen zwischen Kanzlei, Mandantschaft und Finanzverwaltung. Voraussetzung für alle Fortbildungen sind jeweils eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum*r Steuerfachangestellten und der Nachweis von Berufserfahrung.

Bewerbungsprozess während der Corona-Krise

Bewerbungen für eine Ausbildung zum*r Steuerfachangestellten sind trotz Corona-Krise ausdrücklich erwünscht. Ausbildungskanzleien haben bereits jetzt zahlreiche Stellenanzeigen geschaltet, die in der Ausbildungsplatzbörse www.mehr-als-du-denkst.de zu finden sind. Wenn Jugendliche erst einmal in den Beruf reinschnuppern wollen, können sie in der Börse auch gezielt nach Praktika suchen. Zusätzlich gibt der Online-Eignungstest Interessierten Orientierung, ob der Ausbildungsberuf für sie geeignet ist. Auf www.deinerstertag.de können Jugendliche zudem ihren ersten Tag in einer Steuerberaterkanzlei virtuell erleben, wenn die begehrten Kanzleipraktika aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen derzeit nicht erfolgen können.

Weitere Informationen zur Aus- und Fortbildung finden Sie auf unserer Website unter dem Register "Wie werde ich...?".